Diadochen: Makedonische 'Game of Thrones' - Teil 1

Lange bevor George R. R. Martin seine Geschichte des Krieges, Intrigen und Verrat schrieb, war die alte antike Welt Szene seiner eigenen Version von Game of Thrones.

Als Alexander der Große in Babylon 323 vor Christus starb, hinterließ er das größte Reich welches die Welt bis Dato gesehen hatte, jedoch ohne klaren Nachfolger.

Alexander Brunnen Skopje

Während seine beiden Ehefrauen (Roxane die Tochter Oxyartes von Baktrien und Stateira, Tochter des Darius) schwanger waren, hatte er noch keine legitime geborenen Nachfahren; obwohl ein vier Jahre alter Sohn seiner früheren Geliebten Barsine, namens Herakles, von einigen als Alexander unehelicher Sohn gesehen wurde. Alexander hatte keine Vorsorge getroffen für das, was im Falle seines Todes geschehen sollte. Für einen Herrscher der gewöhnlich unnötige Risiken eingegangen ist und seine Armee buchstäblich an vorderster Front anführte war dies besonders unverantwortlich. Aber es war ganz im Zeichen von Alexander, der sich immer weigerte seine eigene Sterblichkeit anzuerkennen.

Die Entscheidung wurde auf diese Weise in die Hände der makedonischen Armee gelegt, die von den Traditionen aus ihrer Heimat nach das alleinige Recht hatten ihren Herrscher zu wählen. Aber die Generäle die diese folgenden Ereignisse diktierten fielen bald übereinander her.

Alexanders Diadochen ("Nachfolger", wie sie später genannt werden) versuchten in den folgenden 40 und mehr Jahre lang (von den ersten Querelen am Totenbett von Alexander bis zur letzten Schlacht von Kurupedion 281 v.Chr.) das Problem der Nachfolge durch Intrigen und Waffengewalt zu regeln.

Die Bühne, auf der sich das Drama abspielte war in der Tat gewaltig: vom Pindos Gebirge bis an das Kaspische Meer, vom Bosporus bis zum Nil. Grob gesagt war es ein Kampf zwischen den Kräften der Dynasten, Satrapen und Generäle, die für sich versuchten einen Teil des Reiches als ihr persönliches Land einzuverleiben, gegen diejenigen die eine zentrale Macht vertraten um das Reich zusammenzuhalten. Das letztere wurde bis 316 durch verschiedene Regenten für ihre Könige vertreten, und ab diesem Jahr bis 301 von Antigonos I. Monophthalmos, der versuchte sich zum Alleinherrscher zu machen. (Mann könnte sagen, wurde diese Ursache spät in seinem Leben von Seleukus I. Nikator aufgenommen, der nach Kurupedion sich in 316 an der gleichen Stelle wie Antigonus gefunden hatte, und den gleichen Ehrgeiz gezeigt haben könnte.)

Vorhang auf...


Die Akteure betreten die Bühne


Die in Babylon im Sommer von 323 v. Chr. anwesenden führenden Männer, die auch an Alexanders Totenbett standen als er seinen letzten Atemzug machte, trugen alle den Titel "Leibwächter" (Somatophylakes); weniger eine Job-Beschreibung als eine ehrende Funktion, schließlich vertraute der König ihnen sein Leben an. Es gab traditionell sieben Leibwächter, aber ihre Zahl wurde (vorübergehend) auf acht während Alexanders Kampagne in Indien erhöht. Einige hatten Befehlsgewalt in der Armee oder hielten Gouverneursposten in Provinzen. Sie alle funktionierten als Alexanders Feldmarschälle meist mit selbstständiger Befehlsgewalt..

Alexander der Grosse liegt im Sterben

Bild: Die Generäle versammeln sich in dem königlichen Schlafgemach am Totenbett des makedonischen Königs Alexander III.

Zuerst am Totenbett war Perdikkas, Sohn des Orontes, der Senior Hipparch (Reiterführer) und Chiliarch (Kommandeur). Er war ein Prinz aus dem Hause Orestis, eines der kleinen Königreiche das in das makedonische Königreich eingegliedert war. Bei der Erstürmung von Theben in 335 v.Chr. war er Bataillonskommandeur der Hypaspisten (Infanterie Garde), er war der erste der in die Stadt eindrang und eine Verwundung davon trug. Er befahl eine der sechs Brigaden (Taxis) der Phalanx in allen drei großen Schlachten gegen die Perser.

Am Vorabend der Invasion von Indien wurde er zum Somatophylakes ernannt, sowie zum Hipparch von einer der fünf ursprünglichen Kavallerieschwadronen (1000 Mann Kavallerie-Brigade). Nach dem Tod des Hephaistion wurde er der ranghöchste Offizier in der Armee und übernahm seine Aufgaben als Chiliarch. Als Alexander starb, gab der König angeblich Perdikkas seinen Siegelring. Dies wurde von den meisten am Totenbett gegenwärtigen so wahr genommen, als würde Perdikkas als Regent für den noch ungeborenen Sohn bzw. den ungeborenen Söhnen Alexanders ernannt worden.

Er wird in den Quellen als arrogant und herrisch porträtiert, und konnte sowohl grausam und wenn nötig rücksichtslos sein. Seine Überheblichkeit setzte ihm aber bald Widerspruch von den meisten anderen Führer ein.

Ptolemaios, Sohn von Lagos, war einer von Alexanders beliebtesten Kommandanten und ein möglicher Halbbruder, es wurde gemunkelt das Philipp II (Alexanders Vater) tatsächlich sein wirklicher Vater sei. Seine Familie war von Eordaia aus dem makedonischen Hochland; und er war einer der Kindheitsgefährten von Alexander, Ptolemaios wurde zusammen mit dem jungen Prinzen von Aristoteles unterrichtet. Er war einer von mehreren Freunde Alexanders die von Philipp im Jahr 337 v. Chr. verbannt wurden, Philipp sah sie als einen schlechten Einfluss auf Alexander oder als zu loyal an. Ptolemaios konnte erst nach der Ermordung Philipps nach Makedonien zurück kehren.

Er wurde sehr früh ein Junior-Offizier allerdings hatte er noch keine Befehlsgewalt vor der Schlacht bei Gaugamela gegen die Perser. Ptolemaios begleitete Alexander während seiner Reise in das Orakel von Amun Ra in Siwa, wo Alexander als ein Sohn Amuns verkündet wurde. Ptolemaios wurde später mit einer Elitetruppe von 5000 Mann beauftragt den Mörder von Darius III (den Perser König den Alexander bekämpfte) dingfest zu machen. Bei der Invasion Indiens, wurde er als Somatophylakes ernannt, sowie einer der fünf ursprünglichen Hipparchen. Er diente mit Auszeichnung während der gesamten Kampagne, eine Schlüsselrolle nahm er bei der Einnahme des Felsens von Aornus ein. Seine Reiterei war neben Alexander auf dem rechten Flügel in der Schlacht von Hydaspes. Er wurde später in diesem Jahr bei Harmetelia, eine Stadt der Brahmanen, mit einer vergifteten Waffe verwundet. Obwohl er mit dem Tod rang wurde er wieder gesund.


Bei der Massenhochzeit in Susa wurde ihm als Braut Artakama gegeben, die Tochter von Artabazos von Phrygien und Schwester von Alexanders ehemaliger Geliebten Barsine (die Mutter des Herakles, den möglicherweise unehelichen Sohn Alexanders); Artakame war Verwandte der persischen Königsfamilie. Ausgeglichen und bescheiden in seinen Ambitionen (und in seiner Art und Weise) als die meisten seiner Kollegen, war er sehr beliebt bei den einfachen makedonischen Soldaten. Er hatte die "Ehre" nur einer der führenden Diadochen zu sein der friedlich in seinem eigenen Bett starb.

Leonnatos aus Lynkestis war dem Königshaus durch eine Verwandschaft mit der Mutter von Philipp II verbunden und hat in allen Kampagnen Alexanders ehrenhaft gedient. Nach der Schlacht bei Issos wurde er zu den Frauen des persischen Königs gesandt um sie des guten Willens und Absichten Alexanders zu versichern. Er wurde im Jahre 332 vor Christus in den Rang eines Leibwächter nach dem Tod von Arybbas in Ägypten erhoben. Er versuchte, Alexander während der mörderischen Auseinandersetzung mit Kleitos zu zügeln. Er kämpfte neben Alexander bei der Erstürmung der Festung von Multan, wo Alexander in der Brust durch einen Pfeil getroffen wurde, er verteidigte den verwundeten König bis Hilfe eintraf. Zusammen mit Peukestas soll er den verwundeten König dabei auf dem Schild des Achilles aus dem Kampfgeschehen getragen haben. Während der Rückkehr aus Indien wurde er im südlichen Baluchistan beauftragt die Bevölkerung zu beschwichtigen, diesen Auftrag erledigte er erfolgreich. Er war extravagant und ehrgeizig, nach dem Tod Alexanders mit Ambitionen auf den Thron nachdem ihm die Alexanderschwester Kleopatra ein Eheangebot hat zukommen lassen. Allerdings kam es nicht zu der Eheschließung, Leonnatos fiel im Lamischen Krieg. 

Die weiteren Leibwächter hatten weniger Prestige und fast keine Macht in der Armee.

Es ist wenig über den Hintergrund und die frühe Karriere in Alexanders Dienst des Leibwächters Peukestas bekannt. Nicht einmal den Namen seines Vaters wird in den Quellen erwähnt. Ein Offizier namens Peukestas, Sohn des Macartus, wurde in 321 v. Chr. ernannt die Truppen der Linken Seite bei der Belagerung Ägyptens zu befehlen. Obwohl Wissenschaftler immer davon ausgehen das dies eine andere Person ist, ist es möglich das es sich um die gleiche Person handelt die später Alexanders Leibwächter wurde. Wir wissen, dass Peukestas aus der Stadt Mieza war, wo Alexander und seine Gefährten von Aristoteles gelehrt wurden. Es ist verlockend anzunehmen, dass Peukestas unter diesen war da es fast unmöglich ist die Karriereleiter so hoch zu klettern wie er es in Alexander Dienst tat, ohne aus dem inneren Kreis der Gefährten des Königs zu sein - denn die meisten von ihnen waren Jugendfreunde des Königs.


Zumindest von der indischen Expedition ab (wenn nicht vorher) wurde Peukestas als Alexanders Schildträger ernannt; ein Zeichen das der König Vertrauen zu ihm hatte. Zudem hatte Peukestas einen Ruf für Tapferkeit. In dieser Funktion trug er den Heiligen Schild, den Alexander in Troja zu Beginn seines Krieges gegen Persien an sich nahm. Bei der Festung von Multan, als Alexander isoliert wurde und durch einen Pfeil niedergestreckt wurde, beschützte Peukestas (zusammen mit Leonnatus) den niedergestreckten König; Peukestas selbst wurde dabei von einem Speer verwundet. Danach wurde er belohnt, indem er zum einen noch nie da gewesenen achten Leibwächter ernannt wurde.

Peukestas wurde nach der Rückkehr aus Indien zum Satrap von Persis ernannt. Er führte Alexanders Politik mit der einheimischen Bevölkerung zu harmonisieren weiter, so trug er persische Gewänder und war immer gut im Umgang mit seinen persischen Untertanen. Dafür wurde er etwas von den traditionell gesinnten Makedoniern verspottet. Als Alexanders Leben sich dem Ende zuneigte, kam er in Babylon mit 20.000 persischen Jugendlichen an, welche als makedonische Phalangiten trainiert wurden. Er war während der letzten Stunden Alexanders in ständiger Begleitung des Königs. Peukestas war offensichtlich ein großer Bewunderer (geborene Schmeichler) von Alexander; und führte seine pro-persische Politik getreuer als jeder andere Makedonier.

Peithon Sohn des Krateas, war wie Ptolemaios aus Eordaia. Was er geleistet hatte um seine Position zu verdienen, ist weitgehend unbekannt; aber vom Indien-Feldzug ab ist er einer der Leibwächter. Er war ehrgeizig und rücksichtslos. Ursprünglich mit Perdikkas verbunden, unterhielt er Ambitionen über die östlichen ("oberen") Satrapien. Schließlich wurde er ein treuer Leutnant von Antigonas und dessen Sohn Demetrius.

Lysimachos Sohn des Agathokles war thessalischer Abstammung; sein Vater war vielleicht einer der "neuen Männer" die kamen um Makedonien während Philipps II Herrschaft zu dienen. Er kann einer der jungen Gefährten aus Alexanders Jugend gewesen sein, die zusammen mit dem Prinzen von Aristoteles in Mieza gelehrt wurden. Nur wenige dieser Kindheitsfreunde und Kommilitonen sind mit Namen bekannt, aber dies würde die Vertrauensstellung erklären, die Lysimachus im Gefolge des Königs genoss.

In Syrien tötete Lysimachus einen Löwen einhändig, während sie mit dem König der Jagd nachgingen; wobei er in dieser Aktion schwer verwundet wurde, aber vielleicht auch um Alexanders Leben zu retten. Dies könnte der Grund gewesen sein, warum er in die Position eines Leibwächters erhoben wurde. In Sogdiana war er neben Alexander auf einer solchen Jagd, in der Alexander einen Löwen getötet hatte. Er war ein Mann von großer Körperkraft, leicht beleidigt und er vergab langsam. Er wurde kalt und grausam im späteren Leben. Politisch war er ein vorsichtiger Overachiever.


Obwohl Aristonous Sohn des Peisaios ein Leibwächter seit Alexanders Amtsantritt war, ist nur wenig über ihn bekannt. Er wird abwechselnd als ein Mann aus Pella (der Hauptstadt Makedoniens) oder von Eordaia beschrieben; was bedeuten könnte das seine Familie aus der letzt genannten Stadt stammte. Geboren wurde er aber in Pella und verbrachte am makedonischen Hof ​​seine Jugend, vielleicht ursprünglich als einer der Pagen von Philipp II. Er kann der Mann gewesen sein, der dem betrunkenen Alexander sein Schwert im mörderischen Streit mit Kleitos abnahm. Der römische Historiker Quintus Curtius Rufus hat ihn als einen der Männer gesehen, die den gefallenen Alexander in der Mallian Festung schützten; aber dies wird durch Arrian widersprochen. In den vorstehenden Machtkämpfen nach Alexanders Tod zeigte er keinen persönlichen Ehrgeiz, er war stets immer an der Seite des Königshauses und dessen Regenten.

Nicht anwesend in Babylon waren drei andere Männer von großer Bedeutung. Einer war Alexanders größter Unterführer (nach dem Tod von Hephaistion), die anderen beiden alternden Generäle seines Vaters Philipp; sie waren nicht Teil von Alexanders inneren Kreis, aber hatten einen guten Namen und hervorragenden Ruf unter den Soldaten.

Krateros Sohn des Alexander (ein Adliger aus Orestis, im Hochland von Makedonien) war auf dem Weg nach Makedonien mit 10.000 entlassenen Veteranen als der Tod des Königs verkündet wurde. Kein Mensch in der Armee hatte einen höheren Ruf oder wurde mehr beachtet (nur Ptolemaios war beliebter bei den Truppen). Er war schön, freundlich, und besaß eine natürliche Würde und Charakterstärke. Wie bereits erwähnt, war er der zweite der nach dem toten Hephaistion Alexanders Vertrauen errang, er bekam die höchsten Befehle in den späteren Kampagnen; er nahm den Platz von Parmenion als Alexander Chefunterführer ein. Er führte eine der sechs Brigaden (Taxis) der Phalanx in allen großen Schlachten gegen die Perser; sowohl in den Schlachten vom Granikos und bei Gaugamela war seine Taxis mit den gefährlichsten und wichtigsten Positionen anvertraut, an der äußersten linken Flanke die Phalanx zu halten.

In Baktrien wurde er zu einem der fünf ursprünglichen Hipparchen der reorganisierten Gefährten befördert. In der Schlacht von Hydaspes, befahl er das Lager und den Teil der Armee der auf der anderen Seite des Flusses gelassen wurde; mit dem Befehl diesen zu überqueren, wenn Porus durch Alexander im Kampf beschäftigt war. Bei der Rückkehr aus Indien, wurde ihm der Großteil der Armee und ein großer Teil der Güter anvertraut; um sicher entlang einer nördlichere Route zu marschieren anstatt die gefährliche Route durch die schreckliche Gedrosian Wüste die Alexander nahm.


Bei der Massen Hochzeit in Susa im Jahre 324 vor Christus, wo Alexander Stateira die Tochter des Darius III heiratete, war Krateros nur hinter Hephaistion und dem König in der Reihe der makedonischen Offiziere bei der Trauung. Ihm gab man die gefürchtete Prinzessin Amastris zur Braut, die Nichte von Darius. Kurz vor dem Tod des Königs, wurde er zurück nach Hause nach Makedonien geschickt um sich unter dem Befehl von Antipatros zu stellen, begleitet von 10.000 entlassenen Veteranen. Er erreichte gerade Kilikien als die Nachricht von Alexanders Tod eintraf.

So groß war sein Ruf und das immense Vertrauen welches Alexander in ihn gesetzt hatte, dass eine Geschichte entstand: Alexander hätte am Totenbett mit seinen letzten Worten Krateros als Regent des Reiches ernannt, berichtete der antike Schreiber Diodor. 

Laut dieser Geschichte, wurde Alexander auf seinem Sterbebett gefragt wem er sein Reich vermache; und Alexander flüsterte zu den Versammelten: "tôi kratero" (zu Krateros). Aber, die ehrgeizigen Generale versammelten sich um das Sterbebett in Krateros Abwesenheit  und interpretierten die Königs Äußerung als "tôi kratistôi" (dem Stärksten). Wenn Krateros diese Geschichte jemals gehört haben sollte, scheint er keinen Wert darauf gelegt zu haben, denn er diente wo er gebraucht wurde, ohne einen besonderen Machtanspruch für sich selbst geltend zu machen. Hätte er tatsächlich nach Alexanders Tod die Regentschaft erhalten, ist es verführerisch anzunehmen das er das Prestige und die Fähigkeit besaß, das Makedonische Reich zusammenzuhalten...


Weiter mit dem "Makedonischen Game of Thrones Drama" geht es im Zweiten Teil, diesen findet Ihr hier: Diadochen: Makedonische 'Game of Thrones' - Teil 2


ENGLISH TRANSLATION HERE

QUELLE:  Barry C. Jacobsen - deadliestblogpage.wordpress.com (Englisch), übersetzt von Makedonien.mk