Kleopatra: Die Brüste fest und nicht allzu groß, fest auch der Po

Eine neue Biografie über Kleopatra von Ägypten ist erschienen und will plausible Antworten auf geschichtliche Fragen bieten. Wie gelang es ihr, Weltgeschichte zu schreiben? Und was sich wohl einige Fragen, wie gelang es ihr gleich zwei römische Feldherren in ihren Bann ziehen? 

"Die Brüste fest und nicht allzu groß, fest auch der Po", schrieb ein antiker Author über Kleopatra. Vielleicht lag es daran...aber waren es wirklich nur die weiblichen Reize?

Wie der Italiener und Autor Alberto Angela eine der vielen offenen Frage der Alten Geschichte beschreibt: "Zwei der berühmtesten Herrscher der Geschichte machen eine Lustreise zu einem der faszinierendsten Orte der Erde. Es hört sich an wie aus einem Roman. Aber es ist tatsächlich passiert." 


Auch hinterfragt er, warum gönnte sich einerseits der römische Feldherr Caesar im Frühjahr 47 vor Christus einen ausgiebigen Urlaub, obwohl seine Anwesenheit auf den politischen und militärischen Schlachtfeldern des Römischen Reiches dringend gebraucht wurde? Aber Angela kennt natürlich die Antwort, und diese lautet: Kleopatra.

Die berühmte Königin Ägyptens (69–30), die nach Cäsar mit Marcus Antonius auch noch einen weiteren Römer als Liebhaber gewann, nicht weniger als die beiden mächtigsten Männer ihrer Zeit, und damit ihr ererbtes Reich der Ptolemäer beinahe in eine imperiale Zukunft führen konnte, hat wahrlich viele Autorinnen und Autoren zu Lebensbeschreibungen gereizt.

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Dass dem Wissenschaftsjournalisten Alberto Angela jetzt ein Bestseller gelungen ist, der mehrere Wochen die italienische Bestenliste anführte, sagt wohl einiges über die Qualität seines Buches aus. Es trägt schon fast den majestätischen Titel: "Kleopatra. Die Königin, die Rom herausforderte und ewigen Ruhm gewann". 


In dem neuen Werk geht es nicht um neue Thesen oder die Erschließung neuer Zeugnisse. Vielmehr verbindet Angela auf wunderbare Weise populäre, eine fast sinnliche Darstellung mit harter Quellenkritik, die aus einem soliden Wissen über das Zeitalter seiner Akteure schöpft.

Im Jahr 46 hatte Caesar seine Geliebte Kleopatra in die Hauptstadt des Imperiums geholt, wo sie in einer seiner (vielen) Villen jenseits des Tibers residierte und -laut Überlieferungen- mit ihrer Extravaganz das Blut der Aristokratie in Rom zum Kochen brachte. 

Am 15. März 44 setzt Angelas Erzählung ein, ein durchaus schicksalhafter Tag für Rom an dem der allmächtige römische Diktator im Senat von etlichen Verschwörern durch Dolchstiche ermordet wurde. Angela schlüpft dabei in die Rolle eines Sekretärs, der Kleopatras mäandrierende Erinnerungen festhält.

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Aus den Überlieferungen, Gerüchten und dem Geschmack der damaligen Epoche liefert der italienische Biograf ein durchaus stimmiges Porträt über Kleopatra: "Die Brüste sind fest und nicht allzu groß, fest auch der Po. Die schmale Taille unterstreicht den Schwung der Hüften. Ihre Augen sind ungewöhnlich groß, die Lippen voll, die Nase verleiht ihrem Gesicht Charakter. Die Haut ist glatt, es findet sich kein einziges Haar darauf, fast als wäre sie eine Statue." heißt es.

Somit kann man nachvollziehen warum die beiden mächtigen Römer ihren Charme erlagen, oder wie wir aus der Beschreibung eindeutig entnehmen konnten - durch ihre weibliche Anziehungskraft und Reize.


Doch es ist nicht nur das Aussehen, das Kleopatra so sinnlich und anziehend erscheinen lässt. Sie sah zwar gut aus, aber eine seltene Schönheit war sie wohl nicht. Schenkt man den antiken Quellen glauben waren auch andere Faktoren ausschlaggebend, "dann war Kleopatra nur deshalb mehr Frau als andere, weil sie diesen Körper so geschickt einsetzte: Ihre Bewegungen, ihre Stimme, ihre Intelligenz trugen das Ihre dazu bei."

Die gut bekannte Propaganda des Augustus und die moderne Popkultur, die aus Kleopatra ein skrupelloses Luder gemacht haben, ist dagegen nicht zutreffend. 

69 v. Chr. als Tochter Ptolemaios’ XII. in Alexandria geboren, erhielt sie als Nachfahrin des makedonischen Adels der bis zu Alexander der Großen reichte, eine Ausbildung einer Thronfolgerin. Im Jahr 51 bestieg sie als Kleopatra VII zusammen mit ihrem Bruder Ptolemaios XIII. den Thron von Ägypten. Sie sprach neben Griechisch Ägyptisch, Aramäisch, Arabisch, Syrisch, Medisch und Parthisch. Es gibt sogar antike Quellen die überliefern, dass Kleopatra sogar das Makedonische noch beherrschte. Die ihr unterstellte sexuelle Erfahrung dagegen, gehörte sicherlich nicht dazu.

Der Machtkampf zwischen den Geschwistern eskalierte, als der von Caesar geschlagene Pompeius in Alexandria anlangte und von den Ratgebern Ptolemaios’ XIII. geköpft wurde. Caesar bestellte beide Herrscher zu sich, was der König brüsk zurückwies. Kleopatra ließ sich dagegen von einem Diener in einem Hanfsack, in dem man für gewöhnlich Teppiche oder Decken transportierte, in den Palast bringen und stand urplötzlich vor dem überraschten Römer.

Im Gegensatz zu vielen Vorgängern verweist Angela die Vorstellung von einer schnellen Liebesnacht in das Reich der schwülstigen Spekulationen. „Als Kleopatra Caesar zum ersten Mal traf, war sie sicher noch Jungfrau und wenig geneigt, sich einfach so hinzugeben. Diese Gründe machen ein Nein wahrscheinlich.“ Und ihr Rang wird den „unverbesserlichen Weiberhelden“ Caesar wohl im Zaum gehalten haben. Gleichwohl war sie einige Monate später von ihm schwanger. Der gemeinsame Sohn erhielt den programmatischen Namen Kaisarion.


Kleopatras Kalkül hatte Erfolg. Caesar schlug sich auf ihre Seite und beendete den Krieg gegen ihren Bruder als Sieger. Dafür gewann er die Mittel des reichsten Landes der Mittelmeerwelt, dessen Autonomie der Römer garantierte. Dieser Pakt verschaffte der Sinnlichkeit ihrer Beziehung wohl die rationale Grundlage. Caesars Tod unter den Streichen der Verschwörer war daher auch für Kleopatra eine politische Katastrophe.

Im folgenden Krieg zwischen den Mördern und Erben Caesars bewies sie ihr politisches Geschick, konnte jene auf Distanz und diese sich gewogen halten. Die Entscheidung aber brachte 41 v. Chr. die Fahrt nach Tarsos in Kleinasien, wohin sie Marcus Antonius befohlen hatte. Der hatte sich als Primus im siegreichen Triumvirat mit Octavian und Lepidus den reichen Osten des Imperiums als Herrschaftsgebiet zuweisen lassen und zog die Königin nun zur Rechenschaft.

Überzeugend analysiert Angela ihre Inszenierung. Da der römische General sich als Gott Dionysos feiern ließ, trat sie ihm als Göttin der Liebe entgegen, „wie man Aphrodite gemalt hat“, schreibt Plutarch, was bedeutet, dass Kleopatra vermutlich nackt oder halb nackt war. „Eine Königin, die nahezu unbekleidet zu einem offiziellen Treffen erscheint, ist ein Novum in jener Zeit. Selbst heute weiß man von keiner Begegnung, die ähnlich inszeniert gewesen wäre. Am ehesten wäre ihr Auftritt mit Lady Gaga vergleichbar“, sekundiert Angela.

Noch einige Tage trieb sie mit dem mächtigsten Mann Roms wohl das Spiel mit Verlockung und Entzug, dann wurde „Antonius ihr Sklave, obwohl er doch schon vierzig Jahre zählte“, höhnte ein antiker Historiker. Doch es ging nicht nur um Sinnlichkeit und Sex. Kleopatra gewann mit Antonius die Garantie für ihre und Kaisarions Herrschaft. Im Gegenzug erlangte der Römer den Zugriff auf die reichen Ressourcen Ägyptens, zu denen auch eine Armee und eine Flotte gehörten.

War Kleopatra so Hübsch wie bei dieser Rekonstruktion anhand eine Büste?

Menschlich war es eine Liaison auf Augenhöhe, politisch aber wurde Ägypten zunehmend zu einem Protektorat. Angela verweist auf einen Papyrus, der in Berlin verwahrt wird und auf dem erst vor wenigen Jahren der Satz „So soll es geschehen“ erkannt wurde. Darin gewährte die Königin einem römischen Geschäftsmann weitreichende wirtschaftliche Privilegien, die zeigen, wieweit sich Rom bereits in dem reichen Nilland etabliert hatte. Wahrscheinlich stammt die Paraphe von Kleopatras Hand.

Immerhin machte Antonius sie zur Mitherrscherin im Osten. Mit ihm zog sie 31 in die Entscheidungsschlacht gegen Octavian bei Actium – was Octavian die Möglichkeit bot, den Machtkampf als Krieg gegen Ägypten zu verkaufen. Sie verlor. Neben ihrem toten Geliebten soll sie in ihrem Grabmal in Alexandria Selbstmord begangen haben, um nicht vom Sieger im Triumphzug in Rom präsentiert zu werden.

Was blieb, war nicht ihr Körper, sondern ihr Verstand. Mit ihm hatte sie Allianzen geknüpft und ihre Macht erhalten. Das Bild von der verruchten Femme fatale entstammt der augusteischen Propaganda. Wir sollten uns Kleopatra als eine unabhängige und moderne Frau mit einer anderen Geisteshaltung vorstellen, die mit dieser Modernität die Weltgeschichte geprägt hat.

QUELLE: Welt.de